Wolfgang Temmel



acoustic silence
silent acoustics

blind photgraphy - acoustic silence / silent acoustics

Seit Enstehen geeigneter technischer Apparaturen wurde mit einer Vielzahl von Aufzeichnungsverfahren versucht, Phänomene dieser Welt "einzufangen" und zu "konservieren". Das, was man "audiovisuelles Gedächtnis" nennt, entstand - eine immer grösser werdende Datenbank aus Bild- und Tondokumenten, die allmählich unsere "natürliche" sensuale Welterfahrung zu überlagern und zu ersetzen beginnt.
Zwei gegensätzliche Apparaturen spielten in dieser Entwicklung die entscheidenden Rollen: einerseits der Fotoapparat, der es ermöglicht, eine optische (oder visuelle) Information einzufrieren, indem er die Schwingungen des Lichts, wie sie Oberflächen reflektieren, durch Linsen bündelt und im Bruchteil einer Sekunde auf eine lichtempfindliche Beschichtung projiziert. Auf der anderen Seite das Mikrofon, das die (Schall-)Schwingungen der Luft kontinuierlich in elektrische Schwingungen verwandelt und die daran angeschlossenen Aufnahmegeräte speist.
Das jedoch, was wir von den Aufzeichnungen, die diese Apparaturen herstellen, wahrnehmen, ist völlig unterschiedlicher Natur. Die Fotografie erscheint uns als räumlich klar begrenzter, aber ent-zeitlichter Ausschnitt eines Augenblicks. Auch eine Langzeitbelichtung (die beispielsweise über Stunden hergestellt wurde) verändert nicht die Wahrnehmung der BetrachterIn. Im Gegensatz dazu die Wahrnehmung der Tonaufzeichnung: räumlich nicht festzuhalten und immer von fest umrissener zeitlicher Dauer, verändert sie den Ort und verändert sich durch den Ort, in den sie ausgestrahlt wird.
"blind photography" versammelt KünstlerInnen, die mit beiden Medien arbeiten, mit Fotografie und Sound - und zwar nicht in multimedialen Strategien, sondern eher in Parallelkonzepten. "blind photography" geht der Frage nach, inwieweit die künstlerischen Arbeiten sich durch die jeweils entgegengesetzten Medien zu verändern beginnen. Wo liegen die inhaltlichen und strukturellen Überlegungen zu Positionierungen in diesem Spannungsfeld?
Diesen Fragestellungen getreu wird die Ausstellung auch in zwei Räumen erfahrbar: drei Wochen lang in den Ausstellungsräumen des Schlosses Wolkersdorf - veranstaltet von FLUSS, NÖ. Fotoinitiative - und eine Stunde lang in dem Raum des Ö1 Kunstradios - in jenem, der durch das Einschalten des Radioapparates sich formt. In diesen beiden Räumen könnte vielleicht etwas entstehen, das unsere Wahrnehmung verändert - zwischen blinder Fotografie und stummer Klang-, bzw. Radiokunst.
Martin Breindl - alien productions


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